VDI 6010 Blatt 2:2022-10
10.11.2022
Aktualisiert im September 2026 – Richtlinienstand geprüft: VDI 6010 Blatt 2:2022-10 ist die gültige Ausgabe.
Lüftungsanlagen, Aufzüge, Feststellanlagen, Rauch- und Wärmeabzug, Zutrittskontrolle, Sprachalarmanlage – im Brandfall müssen viele technische Systeme eines Gebäudes im richtigen Moment das Richtige tun. Gesteuert wird dieses Zusammenspiel über die Brandfallsteuerung, meist ausgelöst durch die Brandmeldeanlage. Die Richtlinie VDI 6010 Blatt 2 „Sicherheitstechnische Anlagen und Einrichtungen für Gebäude – Schnittstellen in Brandfallsteuerungen“ beschreibt, wie diese gewerkeübergreifenden Wirkzusammenhänge geplant, ausgeführt und geprüft werden. Dieser Beitrag erklärt Inhalt und Anwendung der Richtlinie und zeigt, welche Rolle die Brandfallsteuermatrix dabei spielt.
Inhalt
- Was regelt die VDI 6010 Blatt 2?
- Warum Schnittstellen die kritische Stelle sind
- Die Brandfallsteuermatrix als zentrales Werkzeug
- Aufbau und Inhalt der Richtlinie
- Verhältnis zu DIN 14675, DIN VDE 0833 und VDI 6010 Blatt 1
- Brandfallsteuerung in der Schulung
- Fazit
Was regelt die VDI 6010 Blatt 2?
Die Richtlinie unterstützt die Planung, Ausführung und Prüfung gewerkeübergreifender Wirkzusammenhänge sicherheitstechnischer Einrichtungen in Gebäuden. Sie berücksichtigt die Anforderungen an die einzelnen Systeme und gibt Empfehlungen für deren fachgerechtes Zusammenwirken. Im Mittelpunkt stehen die Beschreibung und die Steuerbarkeit der Systemschnittstellen über alle Phasen des Lebenszyklus – von der Brandschutzplanung über Bau, Prüfung und Abnahme bis zu Instandhaltung und Betrieb. Die Richtlinie richtet sich an Planer und Errichter sicherheitstechnischer Einrichtungen, an Behörden und Prüforganisationen, an Betreiber und das Facility Management.
Warum Schnittstellen die kritische Stelle sind
Jedes einzelne System – Brandmeldeanlage nach DIN 14675, Sprachalarmanlage nach DIN VDE 0833-4, Feststellanlage nach DIN 14677, RWA nach DIN 18232 – hat seine eigene Norm, seinen eigenen Errichter und seine eigene Abnahme. Was keine Einzelnorm regelt, ist die Frage, ob die Systeme im Brandfall richtig zusammenwirken: Öffnet der RWA-Zug im ausgelösten Brandabschnitt, schließen die Brandschutztüren, fährt der Aufzug in die Evakuierungsebene, schaltet die Lüftung ab, gibt die Zutrittskontrolle die Fluchttüren frei? Genau an diesen Schnittstellen entstehen in der Abnahmepraxis die meisten Mängel – nicht, weil ein System fehlerhaft wäre, sondern weil niemand die Wirkzusammenhänge vollständig beschrieben und geprüft hat. Die VDI 6010 Blatt 2 schließt diese Lücke.
Die Brandfallsteuermatrix als zentrales Werkzeug
Kernstück der Brandfallsteuerung ist die Brandfallsteuermatrix (auch Steuermatrix oder Brandfallmatrix). Sie legt tabellarisch fest, welches Ereignis – etwa die Auslösung einer Meldergruppe in einem bestimmten Brandabschnitt – welche Steuerung in welchem System auslöst. Die VDI 6010 Blatt 2 beschreibt das Erstellen und Aktualisieren der Steuermatrix als Aufgabe über den gesamten Lebenszyklus.
| Phase | Aufgabe der Brandfallsteuermatrix | Verantwortlich |
|---|---|---|
| Brandschutzplanung | Schutzziele und Steuerungsziele je Brandabschnitt festlegen | Brandschutzplaner, Bauherr |
| Fachplanung | Systeme, Schnittstellen und Übertragungswege definieren; Matrix erstellen | Fachplaner BMA und TGA |
| Errichtung | Schnittstellen ausführen, Parametrierung nach Matrix | Errichter der beteiligten Gewerke |
| Prüfung und Abnahme | Wirkprinzipprüfung: jede Zeile der Matrix auslösen und die Reaktion aller Systeme dokumentieren | Errichter, Prüfsachverständige |
| Betrieb und Instandhaltung | Matrix bei jeder Änderung fortschreiben; Wirkprinzipprüfung wiederkehrend | Betreiber, Facility Management, Fachfirma |
In der Beratungspraxis ist die fehlende oder veraltete Brandfallsteuermatrix einer der häufigsten Gründe, warum Sachverständigenabnahmen scheitern oder Bestandsanlagen nach Umbauten nicht mehr wie geplant reagieren. Eine gepflegte Matrix ist zugleich die Grundlage für die Wirkprinzipprüfung, die die DIN 14675-1 und die VdS 2095 fordern.
Aufbau und Inhalt der Richtlinie
- Anwendungsbereich, normative Verweise und Begriffe
- Systemschnittstellen: Beschreibung, Steuerbarkeit, Übertragungswege und Rückmeldungen
- Phasen und Lebenszyklus: von der Planung über Prüfung und Abnahme bis zu Instandhaltung und Betrieb
- Anhang A1: Beispiel für Auswahl und Planung der Übertragungswege und Schnittstellen
- Anhang A2: Beispiele für Funktionsprinzipien von Übertragungswegen
Die ausführlichen Beispiele machen die Richtlinie auch für Betreiber nutzbar, die keine eigene Fachplanung im Haus haben, aber verstehen müssen, was ihre Anlagen im Brandfall tun.
Verhältnis zu DIN 14675, DIN VDE 0833 und VDI 6010 Blatt 1
Die VDI 6010 Blatt 1 behandelt das Zusammenwirken sicherheitstechnischer Anlagen allgemein, Blatt 2 konkretisiert die Schnittstellen in Brandfallsteuerungen. Die DIN 14675-1 fordert für Brandmeldeanlagen die Beschreibung der Steuerungen und deren Prüfung; die DIN VDE 0833-2 legt die technischen Anforderungen an Ansteuerungen fest. Die VDI-Richtlinie liefert die Methode, mit der diese Anforderungen gewerkeübergreifend umgesetzt werden. Bei der Planung von Brandmeldeanlagen sollte sie deshalb von Anfang an mitgedacht werden.
Brandfallsteuerung in der Schulung
Die Projektierung von Brandfallsteuerungen und das Erstellen der Brandfallsteuermatrix sind Bestandteil der Schulung Konzept, Planung und Projektierung BMA nach DIN 14675. Wie Schnittstellen im Bestand bewertet und Wirkprinzipprüfungen dokumentiert werden, behandelt die Auffrischungsschulung BMA und SAA. Für Betreiber, die ihre Anlagen und deren Steuerungen im Betrieb verantworten, ist die Schulung Betrieb und Wartung von Brandmeldeanlagen der passende Einstieg.
Fazit
Die VDI 6010 Blatt 2:2022-10 macht aus vielen Einzelsystemen ein abgestimmtes Sicherheitskonzept für den Brandfall. Wer Schnittstellen beschreibt, die Brandfallsteuermatrix pflegt und die Wirkzusammenhänge regelmäßig prüft, vermeidet die typischen Abnahmemängel und sorgt dafür, dass Technik im Ernstfall so reagiert, wie sie geplant wurde. UDS Beratung unterstützt Planer, Errichter und Betreiber dabei mit Schulungen und praxisnaher Beratung.